„Leichtbau ist die Lösung“

12.09.2019

 

Leichtbau live auf der BUGA erleben - Sonderausstellung läuft noch bis 22. September.

Die Pavillons aus Holz und Verbundfasern gehören zu den Eye-Catchern der Bundesgartenschau in Heilbronn. Nun wurde die Sonderausstellung „Die Leichtbaupavillons der BUGA – Hintergrund und Entstehungsgeschichte“ eröffnet, welche bis zum 22. September die spannende Entstehungsgeschichte hinter den beiden Bauwerken zeigt und erklärt, warum die Stadt von morgen den Leichtbau braucht.

„Derzeit wird in Sachen Klima viel über Verbote für Plastiktüten und Co. diskutiert. Doch ein richtig großer Brocken, wird außer Acht gelassen und das ist der Bausektor. Er verursacht weltweit etwa 50 Prozent des Müllaufkommens und verbraucht rund 40 Prozent der Ressourcen“, sagte Sandra Bayer Teixeira von der Landesagentur für Leichtbau Baden-Württemberg. Professor Achim Menges, Leiter des Instituts für Computerbasiertes Entwerfen und Baufertigung (ICD) der Universität Stuttgart, ergänzte, dass man in den kommenden drei Jahrzehnten gerade in Städten viel neuen Wohnraum schaffen müsse. „Leichtbau ist die Lösung, um diese Herausforderung gesellschaftlich zu adressieren“, so Menges.

Wie das Bauen der Zukunft aussehen kann, zeigen die Leichtbaupavillons auf der Bundesgartenschau. „Das ist extremer Leichtbau, denn es wurden beim Faserpavillon nur so viele Fasern eingesetzt, wie benötigt werden“, erklärt Professor Dr. Jan Knippers, Leiter des Instituts für Tragkonstruktionen und Konstruktives Entwerfen (ITKE) der Universität Stuttgart, das Grundprinzip von Leichtbauweisen. In der Sonderausstellung können die Besucher auch ein Element des Faserpavillons bestaunen, so wie es auch im Pavillon verbaut sein könnte. Die Zahlen zum Bauteil beeindrucken: Es wiegt nur rund 75 Kilogramm – kann jedoch eine Drucklast von bis zu 25 Tonnen tragen. Auch das Herstellungsverfahren ist ressourceneffizient: Es entsteht etwa kein Verschnitt an Glas- oder Carbonfasern und ein Rahmen zum Aufwickeln der Fasern wird ebenfalls nicht benötigt.

Wenn es um das Klima geht, geht es auch immer um CO2. Holz ist ein klimaneutraler Baustoff, denn Bäume speichern während ihres Wachstums CO2 aus der Umgebungsluft. Auf diesen Baustoff setzt der Holzpavillon. Ihn kann man sich wie ein großes dreidimensionales Puzzle vorstellen: Die Schale besteht aus 376 Kassetten, die innen hohl sind. Wie auch beim Faserpavillon wurden die Elemente der Schalenkonstruktion automatisiert von einem Roboter gefertigt. Sie wurden vorab hergestellt und auf der Baustelle nur noch zusammengesetzt.

„Wenn wir die Technik ernst nehmen, dann können wir heute bereits so bauen“, sagt Menges. Das Problem sei, dass oft die Optimierung des Herstellungsprozesses eines Bauteils im Vordergrund stehe und nicht die Optimierung hinsichtlich des eingesetzten Materials und somit dessen Gewichts. Warum ein digitales Bausystem das Bauen der Zukunft sein könnte, erklärt Knippers so: „Wenn wir Planungs- und Fertigungsprozesse nicht mehr voneinander trennen, können wir hochgradig integrativ denken und sehr effizient mit sehr wenig Material bauen.

Sonderausstellung bis 22. September 2019

Die Sonderausstellung „Die Leichtbaupavillons der BUGA – Hintergrund und Entstehungsgeschichte“ läuft noch bis 22. September 2019 und kann täglich während der regulären BUGA-Öffnungszeiten im Treffpunkt BW im „Fruchtschuppen“ auf der Bundesgartenschau besucht werden. Die Ausstellung wird vom ICD und ITKE der Universität Stuttgart, der raumprobe OHG sowie der Landesagentur für Leichtbau Baden-Württemberg gestaltet. Mithilfe  der kostenlosen „Leichtbau  App“ können Besucher  der  Ausstellung vor Ort  dank der Augmented-Reality-Funktion der App 3D-Modelle der Pavillons auf ihr Handydisplay zaubern lassen. Mehr unter www.leichtbau-bw.de/sonderausstellung

Für die Entstehung der Leichtbaupavillons auf dem BUGA-Gelände war die Bundesgartenschau Heilbronn 2019 GmbH Initiator des Projekts und Forschungspartner der Universität Stuttgart, welche die Pavillons entworfen und hergestellt hat.

Neue Studie zu Leichtbau im urbanen System

Über 50 Prozent Gewichtseinsparung an Material in Leichtbauweise, bis zu 40 Prozent weniger Energieverbrauch im Warenlieferverkehr und bis zu 60 Prozent weniger Wärmeinseleffekte im urbanen Raum – die neue Studie „Leichtbau im urbanen System“ hat anhand von drei Anwendungsfällen untersucht, welche Einsparpotentiale bereits heute durch Leichtbauprinzipien gegenüber konventionellen Bauweisen im Kontext der Stadt möglich sind. Die Zahlen zeigen: Es lohnt sich! Die Studie steht unter folgendem Link kostenlos als PDF zum Download bereit: www.leichtbau-bw.de/studielus