Wirtschaftsgespräch: Mit Leichtbau lässt sich Geld verdienen - Trend geht zum hybriden Leichtbau

20.10.2014

 

Der Mehrwert durch Leichtbau bringt Unternehmen mehr Umsatz und der Trend in dieser Zukunftstechnologie geht zur Multi-Material-Bauweise. Dies ist der Tenor des Wirtschaftsgesprächs am Tiergarten in der Landesvertretung Baden-Württemberg.

Unter dem Thema "Gestatten, Leichtbau – Weniger ist mehr.Wert!" diskutierten in Berlin Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik vor 70 Gästen über die Zukunft und vor allem die Vorteile des Leichtbaus. Der Leiter des Instituts für Fahrzeugsystemtechnik und des Lehrstuhls für Leichtbautechnologie am Karlsruher Institut für Technologie KIT, Prof. Dr.-Ing. Frank Henning, sagte, "man kann mit Leichtbau sehr wohl Geld verdienen, wir dürfen aber nicht nur über Kilopreise diskutieren, sondern müssen das gesamte System betrachten". Er warb zugleich dafür, das Können im Leichtbau zu emotionalisieren und sichtbar zu machen. "Es nützt nichts, wenn der schwäbische Tüftler nur sagt: S`tut." Kunden muss der Mehrwert von Leichtbau verdeutlicht werden Der Leiter Branchen und Produktmanagement bei der Trumpf Laser- und Systemtechnik GmbH, Dr. Rüdiger Brockmann, sprach sich dafür aus, den Mehrwert im Leichtbau "transparent darzustellen". Wenn dem Kunden verdeutlicht werde, dass er mit Leichtbau etwa durch geringere Stückkosten mehr Gewinn machen könne, sei dieser auch bereit, mehr Geld zu zahlen etwa für eine Maschine mit besserer Amortisation. Brockmann führte ein anschauliches Beispiel an: Wenn ein Lastwagen durch eine Gewichtsreduktion beispielsweise drei Prozent weniger verbrauche, seien dies schnell bis zu 1000 Liter weniger Diesel. Die Geschäftsführerin des Maschinenbauers Wolfangel GmbH, Heike Wolfangel, fügte hinzu, durch die Gewichtsreduktion sei auch mehr Zuladung möglich, was den Umsatz erhöhe. Dreiklang Design, Prozesse, Simulation Der Geschäftsführer der Leichtbau BW, Dr. Wolfgang Seeliger, unterstrich in der Runde die Bedeutung des Mehrwerts im Leichtbau – durch Design, Prozesse und Simulation. In der Produktentwicklung beispielsweise würden bereits 70 bis 80 Prozent des Gewichtes und somit auch des Material- und Ressourcenverbrauches festgelegt. Die Prozesse müssten künftig viel stärker zusammenrücken. Für kleine und mittlere Unternehmen ergebe sich daraus die Möglichkeit, ihre Wertschöpfungstiefe zu vergrößern und damit eine höhere Wettbewerbsfähigkeit zu erzielen. Auch die Simulation spiele eine immer größere Rolle. Nach Auffassung von Diskussionsteilnehmern wird der Multi-Material-Leichtbau künftig immer wichtiger werden. "Der Trend geht ganz klar in diese Richtung", sagte Henning. "Wir müssen aber schauen, dass wir Produkte im hybriden Leichtbau auf den Markt bringen." Hier fehle es anders als in den USA in Deutschland häufig noch an "unternehmerischem Wagnis". Minister Friedrich: Leichtbau ist Motor für Innovationen Der baden-württembergische Minister für den Bundesrat, Europa und internationale Angelegenheiten, Peter Friedrich, sagte in seiner Begrüßungsrede in der Landesvertretung: "Durch Leichtbau eröffnen sich für die Wirtschaft unter anderem neue Anwendungsmöglichkeiten und Märkte. Für die Unternehmen bietet er neue Möglichkeiten, ihre Wettbewerbsfähigkeit, ihre Innovationsfähigkeit sowie ihren Umsatz zu steigern. Leichtbau ist dabei Motor für Innovationen in ganz vielen Bereichen von der Automobilindustrie über den Maschinen- und Anlagenbau bis hin zur Luft- und Raumfahrt sowie der Bauindustrie." Die Ministerialdirektorin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, Dr. Simone Schwanitz, hob mit Blick auf den Leichtbau die Leistungsfähigkeit von Wissenschaft und Wirtschaft im Land hervor. Die Stärke Baden-Württembergs liege darin, dass es eine "starke forschungsbasierte Industrie" gebe, die eng mit der Forschung und den Hochschulen zusammenarbeite.