Mut und Technologien, um neue Wege zu gehen

24.05.2019

 

Der 6. Technologietag Hybrider Leichtbau wollte vor allem wach rütteln und zeigen, wie man neue Technologien wie künstliche Intelligenz oder virtuelle Realität für seinen unternehmerischen Erfolg im Leichtbau nutzen kann.

„Durch Digitalisierung lassen sich Prozesse beschleunigen und die time-to-market drastisch reduzieren. Nur so haben wir die Möglichkeit, den Leichtbau weiterzuentwickeln“, sagte Dr. Wolfgang Seeliger, Geschäftsführer der Leichtbau BW GmbH, zur Eröffnung. Außerdem feierte die neue Leichtbau App Premiere beim Technologietag.

„In der Konzeptionsphase eines Produkts werden 70 bis 80 Prozent des späteren Produktgewichts festgelegt. Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist daher die direkte und frühe Umsetzung von Leichtbaustrategien im Produktentstehungsprozess“, sagte Dr. Wolfgang Seeliger zu Beginn der Konferenz. Denn: „Es ist der Mehrwert, den man für seine Kunden dank Leichtbau generiert, mit dem man dann nachher auch sein Geld verdient. Denn leichtere Produkte sind meist auch besser und effizienter, etwa durch einen geringeren Energieverbrauch“, erklärte Seeliger weiter. Ein umheimlicher Befeurer für den Leichtbau sei dabei die Digitalisierung, denn mit ihr habe man laut Seeliger etwa dank künstlicher Intelligenz und Quantencomputing die Möglichkeit, binnen kurzer Zeit nicht nur zwei oder drei Modelle zu testen und zu simulieren, sondern mehrere hundert. So könne man ein Produkt immer weiter verbessern und eine richtige Verbesserungsspirale in Gang setzen, bis man wirklich die optimale Lösung realisiert habe.

„Was geht heute schon alles mit Digitalisierung? Wie wird als kleines oder mittleres Unternehmen man mit neuen Technologien wettbewerbsfähiger und wendet sie ganz konkret in der Praxis an? Das zeigen wir beim Technologietag“, sagte Seeliger. So konnte man etwa vor Ort in der Fachausstellung erfahren und ausprobieren wie man Bauteile dank Quantensensorik zerstörungsfrei prüfen oder mittels Augmented Reality in Simulationen „eintauchen“ kann, um etwa Geometrien besser zu verstehen. Auch die Vortragssessions mit vielen Anwendungsbeispielen aus der Praxis zeigten das Potential, welches die Digitalisierung für den unternehmerischen Erfolg bietet – sei es für die schnellere Berechnung von stabileren Bauteilen, der einfachen und modularen Programmierung von ganzen Fertigungsanlagen binnen weniger Tage oder die Möglichkeit, mittels Sensoren einer Maschine das Fühlen beizubringen, damit diese „merkt“, wann sie etwa überbeansprucht wird.

Mit Konventionen brechen, um erfolgreich zu sein

Aber warum tun wir uns bei der Einführung von neuen Technologien hier im Lande manchmal so schwer? Antworten darauf gab es beim Expertengespräch des Technologietags. „Die Technik ist nicht das Thema. Es fehlt uns der Mut, neue Wege zu gehen“, meinte Bernd-Ulrich Hapke von der Accelerated Innovation GmbH. Prof. Dr. Heinz Voggenreiter appellierte, in bestimmten Bereichen den Anschluss nicht zu verpassen. In Ländern wie den USA werde beispielsweise eifrig daran geforscht, wie man mithilfe von Quantencomputing die Entwicklung neuer Materialen beschleunigen, ja fast verdoppeln könne. „Das ist eine Revolution, die gerade stattfindet“, mahnte Voggenreiter. Doch es geht nicht allein um Technologie. Es sei auch ein gewisser Kulturwandel nötig, so Voggenreiter. Er forderte etwa jungen Mitarbeitern „mehr Raum zu lassen und sie dazu zu ermuntern, disruptiv und gegen Konventionen zu sein“.

„Das ist ein guter Ansporn“, ergänzte Seeliger. So lautete sein Appell. „Lassen Sie uns es versuchen!“ Denn die Publikumsumfrage im Saal hatte wenige Minuten zuvor den Handlungsdruck klar werden lassen: Nur rund ein Drittel der Umfrageteilnehmer gab die Einschätzung an, dass man im globalen Wettbewerb gut dastehe – 58 Prozent votierten dagegen. „Ich glaube, gesamtwirtschaftlich stehen wir noch gut da. Aber ich habe ein komisches Bauchgefühl. Wir müssen raus aus der Komfortzone und aktiv etwas machen“, sagte Dominic Lutz von Gaugler & Lutz OHG.

Leichtbau in der neuen App mit Augmented Reality erleben

Im Zuge der Konferenz feierte außerdem die neue Leichtbau App erstmals Premiere. Dank der integrierten Augmented-Reality-Funktion (AR) kann man sich 3D-Modelle auf das Handydisplay zaubern lassen und so jederzeit innovative Leichtbaulösungen virtuell erleben. „Das ist quasi AR für die Hosentasche“, scherzte Seeliger. „Mit unserer neuen App bleiben Sie im Leichtbau immer up-to-date: Alle Nachrichten, Termine und Videos aus dem wohl größten Leichtbaunetzwerk der Welt und darüber hinaus finden Sie fortan kompakt in der App. Unser exklusiver Ticker versorgt Sie außerdem täglich mit den Top-News im Leichtbau.“ Die Leichtbau App ist kostenlos für iOS und Android in den jeweiligen App Stores verfügbar.