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LEICHTBAU BW GMBH
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Sprechstunde Leichtbau Planen und Entwerfen: Digitalisierung verändert Baubranche umfassend

07.04.2017

 

Durch die Digitalisierung steht die Baubranche vor einer radikalen und grundlegenden Umwälzung. In Kombination mit dem Leichtbau eröffnet sich aber die Chance, Architektur, Bauen und auch die Stadtentwicklung komplett neu zu denken und umzusetzen. Zu diesem Ergebnis kamen Fachleute aus Architektur, Ingenieurwesen, Bauwirtschaft und Forschung vor 50 Teilnehmern bei der "Sprechstunde Leichtbau" mit Dr. Seeliger - Digitales Planen und Entwerfen am 04. April 2017 in der Architektenkammer Baden-Württemberg in Stuttgart.

Trotz der im Vergleich zu anderen Branchen weitgehenden Ansätze im Bauwesen ist der Weg zu einer kompletten Digitalisierung der Wertschöpfungskette noch lang und steinig, wie die Teilnehmer befanden. Probleme bestehen vor allem darin, dass zwischen den vielen Insellösungen digitale Schnittstellen fehlen und es schwierig ist, alle Akteure an einen Tisch zu bekommen. Hier sehen die Experten Handlungsbedarf, ansonsten könnte der Standort im internationalen Vergleich den Anschluss verlieren.

"Jetzt geht es los, überall und rasend schnell"

Der Architekt Arnold Walz, Design-to-Production GmbH, sagte mit Blick auf die Digitalisierung in Architektur und Bauwirtschaft, "es gibt eine Menge Dinge, die aktuell fehlen, da müssen wir dranbleiben und gemeinsam erörtern, wo wir hin wollen". Deutschland habe beste Voraussetzungen bei der Digitalisierung im Bauwesen. Hier stehe aber oft die "Induvidualisierung" der Branche im Weg. Walz, der als Pionier bei der Entwicklung für parametrische CAD-Modelle in der Bauplanung gilt, sprach sich auch für mehr Investitionen in die digitale Bauinfrastruktur aus. 

Dr. Alexander Rieck vom Fraunhofer IAO warnte davor, den Trend zur Digitalisierung auf die leichte Schulter zu nehmen: "Die Digitalisierung ist ein Synonym für eine Veränderung aller Gesellschaften. Es wäre absurd abzunehmen, die Baubranche bliebe davon ausgenommen." Als Beispiel nannte er Saudi-Arabien, wo derzeit vollautomatische Baufabriken entstehen, um dem Wohnungsmangel Herr zu werden. Nach den Worten Riecks ist die Ausgangsposition der Branche im Raum Stuttgart gut,  um daran zu partizipieren. "Jetzt geht es los, überall und rasend schnell. Eine total spannende Zeit." 

Qualität der Daten sollte durchgängig sein

Julian Lienhard von der Stuttgarter str.ucture GmbH gab zu bedenken, die Branche befinde sich aktuell in einer "Umbruchsphase" beispielsweise durch die vollständige Digitalisierung des Planungsprozesses. Nun müsse man sich die Frage stellen, "wo wir uns platzieren." Der Geschäftsführer der Leichtbau BW, Dr. Wolfgang Seeliger, hob den Mehrwert durch die Verbindung von Leichtbau und Digitalisierung hervor. "Im Leichtbau gehen wir immer mehr an die Grenzen der Belastung, das ist ohne Simulation kaum möglich." Iterationszyklen über die gesamte digitale Wertschöpfungskette seinen darüber hinaus ein "entscheidender Erfolgsfaktor", da die Prozesse nicht nur schneller, sondern die Produkte auch besser würden.

In seinem Vortrag zu "Digitale Realität und Paradigmenwechsel" hob Boris Peter von der Knippers Helbig GmbH hervor, dass die Prozesse in der Baubranche "schon recht digital" sind, allerdings noch nicht durchgängig. "Es ist wichtig, dass die Qualität der Daten eine Durchgängigkeit erhält." Ein Vorziehen des digitalen Prozesses führe dann nicht nur zu einer besseren Produktivität, sondern auch zu einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit durch eine ausgewogenere Auslastung.

Mensch muss Veränderungsprozesse mitmachen

Dr. Rainer Bareiß, Direktionsleiter Schlüsselfertigbau, Zentrale Technik, Ed. Züblin AG, Stuttgart, unterstrich, in der Baubranche gebe es in punkto Digitalisierung eine "riesige Lücke" bei gleichzeitig großen Marktchancen. Er gab auch zu bedenken, dass es notwendig sei, sich neben der Qualität um die Ausbildung zu kümmern. "Wir kriegen die Veränderungsprozesse nur mit den Menschen hin."

Dr. Alexander Kappes, Leiter Forschung & Entwicklung bei Wolff & Müller Holding GmbH & Co. KG berichtet von den Bestrebungen seines Unternehmen, die digitalen Modelle mit dem Programm BIM2Field auf mobile Endgeräte zu senden. "Viele Bauarbeiter bekommen die Modelle, die sie bauen, nie zu sehen." Geplant seien beispielsweise eine Einbindung etwa von Nachunternehmern per App sowie Kontrollflüge mit Drohnen. Aus der Digitalisierung "bis zur Baustelle" resultierten Zeitersparnis, höhere Qualität und mehr Arbeitssicherheit. Voraussetzung sei ein vollständiges BIM-Modell.

Leichtbau im urbanen System im Thyssenkrupp Testturm

Tobias Schwinn vom ICD an der Universität Stuttgart referierte über die Wege von der digitalen Kette zur digitalen Schleife durch agentenbasierte Modellierung, die beispielsweise für die Steuerung von Baurobotern genutzt werden könne. Er betonte, neue Strategien für den Leichtbau durch die Digitalisierung ermöglichten neue leistungsfähige Strukturen.

Prof. Dr. Jan Knippers von der Knippers Helbig GmbH sagte in der abschließenden Podiumsdiskussion, die Branche sei noch zu stark in linearen und hierarchischen Prozessen verfangen. Der entscheidende Punkt bei der Digitalisierung bestehe nun darin, diese linearen Planungsprozesse "aufzubrechen" hin zu Modellen, die iterativ sind. Auch müssten Systeme geschaffen werden, die sich den Nutzerbedürfnissen anpassen.

Veranstaltet wurde die Sprechstunde von der Leichtbau BW GmbH zusammen mit der str.ucture GmbH. Ideelle Partner waren der Bauwirtschaft Baden-Württemberg e.V, die Ingenieurkammer Baden-Württemberg und die raumprobe. Zusammen mit Partnern hat die Landesagentur bereits Veranstaltungen zur Digitalisierung im Automotivebereich sowie in der Luft- und Raumfahrt durchgeführt. Am 13. Juli 2017 befasst sich in Rottweil im Thyssenkrupp Testturm eine Veranstaltung der Landesagentur mit dem Thema Leichtbau im urbanen System – Mobilität in der gebauten Umwelt